Perchtoldsdorf: Es war Konzertsaal, Vortragssaal, Ausstellungshalle, Bibliothek, Theater, Veranstaltungslokal und sogar Wahllokal: Nach 50 Jahren wurde am 16. März 2026 das Kulturzentrum geschlossen. Bauliche Mängel, mangelnder Brandschutz, fehlende Fluchtwege etc.
Die Aufregung, vor allem unter den Kulturtreibenden (Kindertheater THEO, Bücherei) ist groß. Und niemand weiß, wie es mit dem Kulturzentrum weitergeht. Die Gemeinde hat weder Geld für eine Sanierung, noch für einen Abriss, noch geschweige denn für einen Neubau.
Jetzt stellt sich immer mehr heraus, dass der 1976 errichtete Bau eine einzige Fehlkonstruktion war. “Als es einem Musiker bei der Eröffnungsfeier auf seine Gitarre tröpfelte, verklebte der Architekt die undichte Stelle auf der Saaldecke mit Kaugummi”, wird die damalige Kulturlady Heidi Stift in einem Buch von Bürgerlisten-Gründerin Dr. Herta Kunerth zitiert.
Gemeinderat Anton Plessl (BDG): “Das Ganze war von Anfang an eine Fehlkonstruktion. Es gab innen keine richtigen Wände, nur Glas. Wenn einer trompetet hat, hörte man das im ganzen Haus. Auch die Statik war anfangs ein Problem. Einmal musste im großen Festsaal sogar in jeder Ecke eine große Palme aufgestellt werden.”
Der pensionierte Bauträger und Bauentwickler Christian Kettner bezeichnet die Raumgestaltung nach heutigen Maßstäben wörtlich als Katastrophe. Ein Umbau würde seiner Meinung nach nicht nur sehr viel Geld kosten, sondern an der maroden Bausubstanz nichts ändern.
Die Bürgerliste schlug bereits Mitte der 1990er Jahre einen Abbruch des Kulturzentrums vor, da dieses “Pfuschbauwerk ohnehin nicht zu retten war”, wie sich Bürgerlisten-Chefin Gabriele Wladyka erinnert.
Trotzdem wurde in all den Jahren sehr viel Geld in das Haus gesteckt. 1999 wurde um knapp 62 Millionen Schilling mit der Sanierung begonnen. “Die Fluchtstiege wurde allerdings ein Geschoß zu tief angesetzt. Eigentlich hätten aus Sicherheitsgründen im Festsaal niemals größere Veranstaltungen stattfinden dürfen”, sagt Wladyka.
Seit 2020 war Siemens für die Betreuung des Gebäudes zuständig, seit 2022 die Firma APLEONA. Die jährlichen Kosten dafür lagen bei 56.000 Euro. Und 2022 rief die Gemeinde Perchtoldsdorf ein eigenes Referat für “Controlling und Gebäudemanagement” ins Leben, das rund 130.000 Euro jährlich verschlang.
Gemeinderätin Wladyka wundert sich, dass es seit 2024 einen Branschutzbeauftragten gab, der jeden Monat zwei Stunden das Kulturzentrum inspizierte. “Sind dem keine Mängel aufgefallen?”, fragen sich die Oppositionspolitiker Anton Plessl und Gabriele Wladyka.
Auf alle Fälle kann derzeit niemand sagen, wie und ob es mit dem Kulturzentrum weitergeht. Das Kindertheater THEO ist inzwischen ins BRUNO nach Brunn am Gebirge übersiedelt, die Bücherei-Zukunft ist noch ungewiss. Die Bürgerliste schlägt etwa vor, die Bücherei im ehemaligen Kindergarten Hochstraße unterzubringen.
Das Kulturzentrum – es wird wohl nicht die letzte Baustelle in der Perchtoldsdorfer Ortsgestaltung bleiben.

