Gerhard Zeiler, Foto: Homepage Zeiler

Gerhard Zeiler hat vor einer Woche via „Krone“ kundgetan, dass er die SPÖ übernehmen will. Seither herrscht helle Aufregung in der Löwelstraße, der Parteizentrale der Sozialdemokraten. Statt dass man Zeiler, einem der erfolgreichsten Medienmanager der Welt, die Hände küsst, dass er sich für die marode Partei opfern will, findet man alle möglichen Argumente gegen ihn.

Das Alter: Gerhard Zeiler ist 71, na und? Donald Trump, um einiges mächtiger als ein SPÖ-Vorsitzender, ist 80. Wladimir Putin, Machthaber des flächenmäßig größten Landes der Welt, ist knapp 74, und Chinas Präsident Xi Jinping, auch nicht gerade unbedeutend, zählt 73 Lenze. Nicht zu reden von Konrad Adenauer, der mit 87 Jahren als Bundeskanzler abtrat. Auch Friedrich Merz, der zugegebener Maßen nicht wahnsinnig erfolgreiche deutsche Bundeskanzler, ist 70, also fast so alt wie Gerhard Zeiler.

Das Geld: Gerhard Zeiler hat durch Arbeit und nicht durch Erbschaft oder Diebstahl Millionen verdient. Diese seien ihm gegönnt. Als Spitzenmanager in dieser und anderen Branchen hast du deinen Tribut zu zahlen, vor allem im Privatleben. Umso anerkennenswerter, dass sich jemand wie Zeiler im Herbst seines Lebens noch einen Job in der Spitzenpolitik antun will.

Der Zeitpunkt: Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, sich als SPÖ-Chef zu bewerben, heißt es. Frage: Wann dann? Wenn die Partei endgültig in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht ist? Und das kann sehr schnell passieren. Andreas Babler – und man mag zu ihm stehen, wie man will, er hat auch gute Seiten – ist einfach nicht in der Lage, die Partei nach oben zu bringen. Neben seinen teils marxistischen Ideen steht er vor allem mit den auflagenstarken Boulevardzeitungen von Dichand und Fellner auf Kriegsfuß. Und die geben halt den Ton an, machen Meinung. So ist das im Medienzeitalter.

Gerhard Zeiler, stets ruhig und bedächtig im Auftreten und in der Wortwahl, weiß, wie man mit Medien umgeht. So wie es Kreisky blendend verstand und auch Sebastian Kurz, beide die erfolgreichsten Politiker ihrer Parteien. Außerdem ist der ehemalige ORF-Generalintendant, RTL-Chef und Warner International President weltweit wohl auch politisch gut vernetzt und würde Österreich gut vertreten, davon kann man ausgehen.

Wer jetzt noch in der SPÖ klar bei Verstand ist, muss sich ganz nüchtern fragen: Haben wir mit Andreas Babler überhaupt noch eine Chance, wer kommt als Alternative zu Zeiler noch in Frage (der sehr sympathische, aber leider kranke Finanzminister Marterbauer oder der stimmlich schwer beeinträchtigte Burgenländer Doskozil?), und wie lange wollen wir noch warten, bis auch die letzten Genossinnen und Genossen der Partei in Richtung Kickl den Rücken gekehrt haben?

Lothar Schwertführer, parteiloser Journalist