Perchtoldsdorf: Am 8. November ist es wieder soweit: Perchtoldsdorfs Weinhauer feiern am Marktplatz Österreichs ältestes und berühmtestes Erntedankfest. Für die amtierenden „Hiataeltern“ – Hiatavater Heinz Wolf und Hiatamutter Gisi Wolf aus der Neustiftgasse – ist dieser Tag wohl ein würdiger Abschluss eines Hauer-Zyklus.
Bereits vor 40 Jahren hatten die beiden, wie viele ihrer Hauerkollegen auch, bereits einige wichtige Ämter beim Hiataeinzug inne. Heinz begann als Standartenträger, während seine spätere Gattin Gisi mit acht Jahren als Körberlmaderl und zehn Jahre später als Kredenzmaderl tätig war. „40 Jahre später schließt sich mit dem Amt des Hiatavaters beziehungsweise Hiatamutter der Kreislauf eines Hauerlebens“, wie Heinz Wolf erklärt. Traditionell am letzten Samstag im August wurden die beiden vom Oberhiata Toni Nigl angesprochen, ob sie diese Würde annehmen wollen. Vor dem Höhepunkt des Weinherbstes, dem Erntedankfest, haben Hiatamutter Gisi und Hiatavater Heinz Wolf vor allem in der Huatzeit wichtige Präsentationsaufgaben zu erfüllen.
Hiataeinzug ist nationales UNESCO Kulturerbe
Zahlreiche traditionelle Vorbereitungen tragen zum Gelingen von Österreichs größtem Erntedankfest bei. So ziehen Tage zuvor die „Hiatabuam“ von Weinhauer zu Weinhauer, um für den Pfarrer den Messwein fürs kommende Jahr zu sammeln. Anfang November geht es ans „Herzmachen“, genauer gesagt, um das herzförmige Schmuckstück, das die berühmteste Erntedankkrone Österreichs zieren wird. „Das Herzmachen ist bei uns ein besonderes Privileg, und unter den Weinhauern sehr begehrt“, bestätigt der diesjährige Hiatavater. Einige Tage später wird die sogenannte „Pritschen“ angefertigt, ein mit Eichenlaub und dem goldenem Nussherz verziertes 80 kg schweres Gestell.
Die historischen Wurzeln des „Hiataeinzugs“ gehen auf eine Legende im Jahre 1422 zurück, wonach der Weinhüter Thomas in den Rieden Perchtoldsdorfs schwer verletzt wurde. Im ersten Haus des Ortes, dem Herbergsvater, wurde dieser gesund gepflegt. Erst zu Leonhardi, (6. November), konnte der genesene „Hiata“ seit langem den Gottesdienst besuchen. Seitdem fällt das Erntedankfest auf die wunderbare Genesung des „Hiata“ Thomas. Der „Hiataeinzug“ wurde seit 2010 von der UNESCO in das nationale immaterielle Kulturerbe aufgenommen und hat jahrhundertlange Tradition.
Claudia Reisinger

