Perchtoldsdorf: Wie berichtet, soll der Kindergarten in der Hochstraße 28 wegen angeblicher Baufälligkeit bis 2027 geschlossen werden und die Kinder auf andere Kindergärten im Ort aufgeteilt werden. Das ruft die Opposition auf den Plan. Sowohl Bürgerliste als auch die Bewegung der Generationen (BDG) und die Grünen hätten erst durch Facebook von dem Vorhaben der schwarz-pinken Regierungskoalition erfahren, wie gegenüber noe24.at betont wird. “Das ist keine Kommunikationskultur”, wettert BDG-Chef Anton Plessl.
Gabriele Wladyka von der Bürgerliste vermutet, dass der Grund für die Kindergartenschließung mit freien Kapazitäten im neuen Apsettenkindergarten zu tun hat: “Jetzt ist der Hochstraße Kindergarten angeblich plötzlich stark sanierungsbedürftig, obwohl hier eh ständig investiert wurde. Aufgrund von freien Kapazitäten soll der beliebte und für viele fußläufig erreichbare Kindergarten geschlossen werden. Dafür werden die Kinder dann in den Aspettenkindergarten gekarrt, wo kürzlich ein 4-gruppiger Zubau errichtet wurde. Die Bürgerliste hat von Anfang an gewarnt, so ein kostspieliges Projekt ohne brauchbare Bedarfserhebung in Angriff zu nehmen. Tatsächlich ging es nur um rund 20 zusätzliche Kinder, die man problemlos woanders hätte unterbringen können. Doch die Bürgermeisterin behauptete dann, man brauche die Plätze für den Zuzug. Allerdings ziehen kaum junge Familien nach Perchtoldsdorf, weil sie sich die sündteuren Bauträgerwohnungen nicht leisten können”, meint Wladyka. Durch den Ausbau der Südbahn direkt neben dem Aspettenkindergarten befürchtet Wladyka außerdem eine starke Lärm- und Schmutzbelastung für die Kinder und Angestellten.
Und sie befürchtet letztendlich, dass das Grundstück in der Hochstraße, auf dem sich der jetzige Kindergarten befindet und das der Pfarre gehört, an einen Bauträger verkauft und der wunderschöne Garten zubetoniert wird.

Kommentar von Bürgermeisterin Andrea Kö:
Beim verlautbarten graduellen Schließungsplan für den Kindergarten in der Hochstraße 28 haben wir es uns nicht leicht gemacht und keineswegs leichtfertig entschieden, gerade weil es sich dabei um die Wurzel des Perchtoldsdorfer Kindergartenwesens handelt, mit dem auch zahlreiche emotionale Beziehungen bestehen. Allerdings wird die Nostalgie, die sich mit dem Standort und den eigenen Kindheitserinnerungen verbinden, durch eine wenig zukunftsträchtige Realität eingeholt. Das 1886 eröffnete, im Eigentum der katholischen Kirche stehende Gebäude weist einen Sanierungsbedarf auf, etwa in Zusammenhang mit der Barrierefreiheit, den Fenstern sowie der energetischen Situation, die einen Investitionsbedarf erfordern, der im Rahmen der gegenwärtigen finanziellen Situation für ein angemietetes Objekt nicht darstellbar ist.
Zudem sind die Raumgrundrisse, unterschiedliche Geschossebenen etc. des als spätgründerzeitliche „Kinderbewahranstalt“ errichteten Gebäudes mit den heutigen pädagogischen Erfordernissen nur schwer in Einklang zu bringen, wobei dies in eingeschränktem Maß auch für die Zubauten aus der Nachkriegszeit zutrifft. Davon, dass Kinder durch Perchtoldsdorf „gekarrt“ würden, kann absolut keine Rede sein. Tatsächlich ist aber im neu eröffneten Kindergartenzubau Aspetten mit seiner Ausrichtung auf Zweijährige etwas entstanden, das sich in der überalterten Bausubstanz in der Hochstraße nicht hätte realisieren lassen können.
Mit dem sanften und sehr behutsamen „Roll out“ der Absiedlung und letztlich Schließung der Hochstraße haben wir uns für einen Weg entschieden, der bewährte Betreuungsverhältnisse so lange wie möglich intakt belässt und für viele Kinder erst mit dem Wechsel in die Schule enden lässt. Damit wird die Umstellung für die derzeit im Kindergarten betreuten Kinder so gering wie möglich ausfallen. Dazu werden wir uns mit den betroffenen Eltern bei einer Informationsveranstaltung sehr zeitnah und intensiv austauschen.
Unser Anspruch ist eine zeitgemäße Kindergarteninfrastruktur, daher wurden auch seit 2010 12 Kindergartengruppen völlig neu errichtet.
