Aufregung um Partei-Inserat in der Heurigenzeitung

Perchtoldsdorf: Viele Jahre hat Andreas Zechmeister, Chef des gleichnamigen Top-Heurigen in der Perchtoldsdorfer Hochstraße, so wie viele andere Heurigen der Region auch, die Heurigenzeitung zur Verteilung an seine Gäste gekauft. Vor einigen Jahren betonte er gegenüber dem Herausgeber Lothar Schwertführer, wie gerne die Zeitung gelesen würde.

Umso größer die Überraschung, als er jetzt dem Herausgeber Schwertführer vor mehreren Zeugen mitteilte, dass er die Heurigenzeitung nicht mehr wolle. Begründung: Gemeinderat Anton Plessl sei in der Heurigenzeitung zu stark vertreten. Darauf entgegnete Schwertführer: “Plessl hat ein bezahltes Inserat geschaltet.”

Dazu muss man wissen: Hofrat Mag. Anton Plessl ist mit 84 Jahren der dienstälteste Gemeinderat von Perchtoldsdorf und hat vor knapp zwei Jahren seine Partei, die SPÖ, verlassen, um eine eigene Partei zu gründen – die Bewegung der Generationen (BDG). Plessl erreichte auf Anhieb drei Mandate im Gemeinderat. Eine Sensation.

Dass ein Heurigenwirt oder auch jeder andere Geschäftsmann das Recht hat, eine Zeitung oder ein anderes Produkt zu kaufen oder nicht zu kaufen, ist unbestritten. In diesem Fall aber geht es ausschließlich um die Begründung. Zechmeister ist nicht nur Heurigenwirt, sondern auch Gemeindepolitiker der ÖVP. Und da ist die Optik schon etwas schief, wenn er keine Kritik an Inseraten seiner eigenen Partei übt bzw. diese bisher nicht artikuliert hat, aber bei Inseraten des politischen Mitbewerbers aufschreit. 

Im übrigen hat die Heurigenzeitung auch schon Parteiinserate mit eindeutiger Wahlbotschaft abgelehnt, obwohl das finanziell nachteilig war. Die Osterwünsche von Herrn Plessl, wie sie in der aktuellen Ausgabe geschaltet sind, hält die Heurigenzeitung für genauso harmlos wie die Ankündigung des Ostermarktes der ÖVP-Frauen.

Natürlich kann man auch sagen, eine Zeitung soll gänzlich auf Inserate verzichten. Dann entzieht man ihr aber die wirtschaftliche Basis und die Zeitung kann nicht mehr erscheinen. Wer das will, soll das sagen, laut und deutlich.

Die neue Ausgabe der Heurigenzeitung

Kommentare, Reaktionen:

Sehr geehrter Herr Schwertführer!

Sie haben mit Ihrem beleidigenden Artikel über mich „weit über das Ziel hinaus geschossen“. Ich möchte Ihnen nur noch einmal kurz meinen Standpunkt darlegen, und zwar als Heurigenwirt und nicht als ÖVP-Mandatar, was hier nicht vermischt werden sollte. Als Heurigenwirt unterstütze ich gerne eine informative Zeitschrift über unsere Heurigenkultur, wünsche mir diese aber ohne jede politische Werbung, egal von welcher Partei. Auch nicht als Inserat. Wir wollen unseren Gästen, die aus allen politischen Lagern kommen, auch in bei uns aufgelegten Medien nur unsere Gastfreundschaft und Heurigenatmosphäre anbieten. Mehr zu meiner Meinung hinein zu interpretieren ist unrichtig und fehl am Platz.

Mit freundlichen Grüßen 

Andreas Zechmeister

 

Sehr geehrter Herr Zechmeister,

ich danke für Ihre klaren Zeilen und möchte dazu Stellung nehmen: Ich finanziere die Heurigenzeitung über Inserate und Verkauf. Bei Inseraten habe ich immer danach getrachtet, keine politischen „Kampfinserate“ zu nehmen, da dies auch meiner Intention einer informativen und unterhaltsamen Zeitung für den Heurigengast widerspricht. Einige Inserate habe ich bereits aus diesem Grund abgelehnt, was natürlich mit finanziellen Einbußen verbunden war. Osterwünsche von Herrn Plessl betrachte ich nicht als ein Parteiinserat im klassischen Sinn, die tun auch niemandem weh. Es ist das Wesen eines unabhängigen Mediums, dass es niemals alle Seiten befriedigen wird und es immer wieder Leute gibt, die sich über irgendwas aufregen oder eine böse Absicht unterstellen wollen.
 
In unserem Fall wundert es mich jedoch, dass Sie jahrelang nie etwas gegen die Schaltung von Parteiinseraten in der Heurigenzeitung mir gegenüber gesagt haben. Im übrigen hat ja auch Frau Kö in derselben Ausgabe der HZ für ihren ÖVP-Ostermarkt geworben. Warum also der Fokus auf Plessl?
 
X-mal habe ich in der Heurigenzeitung Fotos und Berichte über die ÖVP abgedruckt, da kam nie eine Beschwerde von Ihrer Seite. Ich verstehe und respektiere, dass Sie keine Zeitungen mit Parteiwerbung in Ihrem Lokal auflegen wollen. Aber ich bitte auch um Verständnis, dass ich als Verleger schauen muss, wie ich meine Zeitung finanziere. Und wie Sie sicher als aufmerksamer und politisch interessierter Mensch wissen, stellen sich die Firmen heutzutage bei Print nicht gerade mit Inseraten an. 
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Lothar Schwertführer

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