Perchtoldsdorf: „Wo sie die Liebe zur Musik hinführt“, das hätten sich die Musiker:innen der Trachtenkapelle Perchtoldsdorf nicht bunter ausmalen können. Bei einem knapp fünfstündigen Jelinek-Spektakel im Wiener Burgtheater, als Vorbote der Produktion „Unter Tieren“, die am 16. August in Salzburg Uraufführung feiert, wurde die Kapelle selbst Teil eines Gesamtkunstwerks.
Als der Anruf des musikalischen Leiters des Wiener Burgtheaters, Alexander Nefzger, in Perchtoldsdorf einlangte, war die Freude groß. Die Einladung, Teil von Elfriede Jelineks Urlesung „Unter Tieren“ zu sein, war für die Musiker:innen der Trachtenkapelle Perchtoldsdorf ein „must do“. Unter der Leitung von Wolfgang Bauch machte sich eine Abordnung auf den Weg in Österreichs renommiertestes Theaterhaus. Dort wartete kein klassischer Konzertauftritt, sondern eine ungewöhnliche wie faszinierende Aufgabe: Mitten im Publikum erweckte die Kapelle den Weinhauer-Marsch zum Leben, während sie durch die traditionellen Räumlichkeiten zogen und Teil der Inszenierung wurden.
Zeitgleich gaben Schauspielgrößen wie Mavie Hörbiger, Caroline Peters und Branko Samarovski eine szenische Lesung aus dem Mammuttext von Elfriede Jelinek „Unter Tieren“. So traf traditionelle Blasmusik auf zeitgenössische Literatur. Die Mischung aus Tradition und Theater-Provokation haute an diesem Abend alle vom Hocker. „Die Perchtoldsdorfer haben das Burgtheater gerockt!“ jubelte ein Zuschauer. Knapp fünf Stunden dauerte das Spektakel! – Ein Highlight für alle Beteiligten – ein Abend, den keiner vergisst!
Die Musiker:innen selbst bezeichneten ihren Auftritt später augenzwinkernd als „Strange Performance“. Tatsächlich verschwammen an diesem Abend die Grenzen zwischen Konzert, Theater und Performancekunst. Für die Trachtenkapelle Perchtoldsdorf bleibt der Auftritt im Wiener Burgtheater jedenfalls ein außergewöhnliches Kapitel der Vereinsgeschichte und ein Beweis, dass die Liebe zur Musik an Orte führt, mit denen man niemals gerechnet hätte.

