Bürger protestieren gegen Ausbau der Südbahn

Perchtoldsdorf: Die ÖBB wollen in den nächsten 12 Jahren die Südbahn zwischen Meidling und Mödling auf vier bzw. sechs Gleise ausbauen. Besonders betroffen wäre davon Perchtoldsdorf, wo bei der dicht bewohnten Aspettensiedlung 6 Gleise entstehen sollen, damit die Züge, die in Liesing enden, hier wenden können. Anrainer befürchten das Schlimmste und bangen um ihre Wohn- und Lebensqualität sowie um die Existenz ihrer Kleingärten. Zusätzlicher Lärm und Umweltschäden durch kürzere Zugintervalle und vermehrten CO2-Ausstoß seien zu erwarten, besonders während Abriss-, Abbau- und Bauarbeiten. Naturschützer warnen vor der Zerstörung eines Grüngebietes, das neben dem Wienerwald das wichtigste in der Region ist. Seltene, von der EU geschützte Tierarten wären vom Aussterben bedroht.

Von rechts: Gemeinderätin Gabriele Wladyka mi tden fast 1000 Unterschriften, GR Robert Lugar mit dem Bauplan und Anrainer Reinhard Nöbauer

Um das 1,2 Mrd. Euro teure ÖBB-Projekt eventuell doch noch zu stoppen, sammelte die Perchtoldsdorfer Bürgerliste bis jetzt knapp 1000 Unterschriften von Anrainern und auch anderen Bürgerinnen und Bürgern des Ortes. Gemeinsam mit FPÖ-Gemeinderat und Ex-Nationalratsabgeordnetem Robert Lugar sowie dem Anrainer Mag. Reinhard Nöbauer lud die Bürgerliste mit gf. Gemeinderätin Gabriele Wladyka Donnerstag (17.11.) zu einer Pressekonferenz ins Kaffeehaus Mühle am Marktplatz.

Lugar betonte, dass es ihm keinesfalls um die Verhinderung von öffentlichem Verkehr gehe, sondern um die Frage, auf welcher Basis die ÖBB dieses Projekt plane. Lugar zweifelt an, dass es überhaupt eine Studie gibt, wie seitens des Ministeriums behauptet werde. “Die angebliche Studie wird nicht herausgerückt”, so Lugar. Der Politiker glaubt, dass die ÖBB den Ausbau der Bahnstrecke nur aus Profitgier planen, weil die Strecke profitabel sei und eine Verdichtung der Zugsintervalle noch mehr Einnahmen brächte. Als Alternative zum Ausbau der Südbahnstrecke sieht Lugar einen besseren Ausbau des Busverkehrs und eine bessere Nutzung der Pottendorfer Linie für den Pendlerverkehr.

In einer parlamentarischen Anfrage von FPÖ-Abgeordnetem Christian Hafenecker und anderen Abgeordneten an die zuständige Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) wird die Prognose der ÖBB, wonach es bis 2035 zwischen Meidling und Mödling ein rasantes Anwachsen der Passagierzahlen (von derzeit 25.600 auf 62.000) bei der Schnellbahn geben werde, bezweifelt. “Die Gemeinden zwischen Liesing und Mödling sind in den letzten 20 bis 30 Jahren gar nicht bis unwesentlich gewachsen, maximal um 2 Prozent. Auch in Zukunft ist mit keiner Steigerung zu rechnen”, so die FPÖ-Parlamentarier.

Anrainer Nöbauer, der sich wie auch andere Betroffene über die Arroganz und Nicht-Gesprächsbereitschaft der ÖBB beklagte, meinte sarkastisch: “Man kann uns ein Betonierprojekt nicht als Umweltprojekt verkaufen.”

 

3 Kommentare

  1. Wie dumm muß man sein, dass man die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Keiner will Verbrennerautos, keiner wird sich E Autos leisten können, Strom ist jetzt schon knapp und viel zu teuer, wie soll die Mittelschicht die Ladung ihres Autos finanzieren? Aber wir verhindern auch den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Wie sollen dann die Menschen zum Arbeitsplatz kommen? Fahrrad wäre eine Alternative, aber für viele ist der Weg zu weit. Mir kommt vor, dass die Bürgerliste und die Grünen nicht wissen, was sie da blockieren. Oder aber der Trend geht zurück zur Natur, wir graben uns wieder Höhlen und wohnen in Zelten, werden wieder Jäger und Sammler.

    1. Die S-Bahn zwischen Mödling und Wien verkehrt z. Zt. im 15 Min Takt und ist zu keiner Uhrzeit wirklich ausgelastet. Die Vision eines 5 Min. Taktes und dieser “Ausbau”, dem sogar mit der Planung Beauftragte ÖBB Mitarbeiter skeptisch gegenüber stehen, ist ein reines Prestigeobjekt zu Lasten der Steuerzahler verbunden mit der Zerstörung von Grünflächen.

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